Vertiefung des deutsch-indischen Digitaldialogs: Ergebnisse des Jahrestreffens 2026
Indien
Der deutsch-indische Digitaldialog wurde 2017 durch eine Gemeinsame Absichtserklärung ins Leben gerufen. Neun Jahre später hat sich der Dialog zu einer der bedeutendsten bilateralen Plattformen für digitale Politik zwischen Asien und Europa entwickelt.
Das Jahrestreffen, das in Berlin und Dresden stattfand, markierte den Start des Arbeitsplans 2026–2027: ein umsetzungsorientierter Rahmen, der die gemeinsame politische Vision in strukturierte Zusammenarbeit zu zentralen Themen überführt.
Drei Tage, drei Formate
Das Treffen im Januar 2026 umfasste drei Formate: einen technischen Besuch in Dresden am 15. Januar, zwei Roundtables mit Industrie und Expertinnen und Experten in Berlin am 16. Januar sowie das Regierungstreffen – im Folgenden zusammengefasst.
Silicon Saxony: Ein Modell für Halbleiter-Ökosysteme
Am 15. Januar bot der Besuch der indischen Delegation in Dresden – Heimat von Silicon Saxony, einem der größten Mikroelektronik-Cluster Europas – einen unmittelbaren Einblick in ein funktionierendes Halbleiter-Ökosystem. Mit neun Universitäten und mehr als 80.000 Fachkräften aus aller Welt steht Silicon Saxony beispielhaft für ein Cluster-Modell, das Indien nun ebenfalls anstrebt.
Die Technische Universität Dresden stellte ihre Stärken in der spezialisierten Mikroelektronikforschung sowie in der Überführung wissenschaftlicher Ergebnisse in kommerzielle Anwendungen vor. Bestehende Partnerschaften mit dem IIT Madras wurden hervorgehoben, und die TU Dresden zeigte sich offen für den Ausbau gemeinsamer Forschungsinitiativen und Qualifizierungsprogramme im Rahmen von Indiens Halbleiterstrategie.
GlobalFoundries – das bereits Standorte in Bangalore betreibt und Teile der Dresdner Aktivitäten aus Indien heraus steuert – betonte die zentrale Rolle Indiens in globalen Halbleiter-Wertschöpfungsketten. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass das regulatorische Umfeld in Indien sowie das Fehlen eines abgeschlossenen Freihandelsabkommens weiterhin Hindernisse für weitergehende Investitionen in die Fertigung darstellen.
Ein Besuch bei Infineon in Dresden verdeutlichte zudem die starke Präsenz indischer Fachkräfte in Silicon Saxony sowie das Potenzial für weitere Fachkräftezuwanderung.
Zentrale Kooperationsfelder, die in Dresden identifiziert wurden, umfassen gemeinsame Studienprogramme und Studierendenaustausch, Qualifizierung für die Halbleiterfertigung in Indien, strukturierte Fachkräftezuwanderung sowie die Stärkung resilienter Lieferketten im Rahmen von Indiens Halbleiterstrategie.
Arbeitsplan 2026–2027: Vom Dialog zur Umsetzung
Am 16. Januar kamen Delegationen von MeitY und BMDS zum Regierungstreffen zusammen, um gemeinsame Prioritäten für den Zeitraum 2026–2027 festzulegen.
Im Bereich Datenpolitik wollen beide Seiten einen besseren Zugang zu Daten für die Wirtschaft ermöglichen und gleichzeitig Datenschutz und Sicherheit gewährleisten. Vertrauenswürdige grenzüberschreitende Datenflüsse und einwilligungsbasierte Rahmenbedingungen wurden als Grundlage für eine vertiefte Zusammenarbeit hervorgehoben. Zudem wurde vereinbart, gemeinsame Workshops und Trainings zu Datenschutz und Cybersicherheit umzusetzen.
Im Hinblick auf die Einbindung des privaten Sektors unterstrich das BMDS die Bedeutung der Beteiligung von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Start-ups. Hervorgehoben wurden die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden NASSCOM und BVMW sowie die Entwicklung gemeinsamer Trainings- und Zertifizierungsformate zur Vertiefung der industriellen Zusammenarbeit.
Im Bereich Halbleiter und Industrie 4.0 einigten sich beide Seiten darauf, eine Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gruppe Mikroelektronik (FMD) zu verfolgen. Als nächster Schritt wird Fraunhofer ein Konzept für ein mögliches gemeinsames Projekt entwickeln und vorlegen.
Künstliche Intelligenz, Industrie und Souveränität: Abstimmung von Wirtschaft und Politik
Der Tag wurde mit einem Roundtable zur KI-gestützten Fertigung fortgesetzt, an dem unter anderem Siemens, SAP, TCS, NASSCOM und die Deutsche Telekom teilnahmen. Dabei wurden die Skalierbarkeit industrieller KI, die Harmonisierung regulatorischer Rahmenbedingungen sowie die Entwicklung von Fachkräften als zentrale Voraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit der deutsch-indischen Industrie identifiziert.
Die Teilnehmenden betonten die Notwendigkeit von Governance-Rahmen, die vertrauenswürdige grenzüberschreitende Datenflüsse ermöglichen, ohne Innovationen zu behindern. Ebenso wurde die Bedeutung resilienter Halbleiter-Ökosysteme sowie einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Startup-Ökosystemen hervorgehoben.
Ein weiterer Roundtable widmete sich der digitalen Souveränität. Hier kamen politische Entscheidungsträgerinnen und -träger, Forschende sowie Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft zusammen, um zu erörtern, wie Indien und Deutschland als komplementäre Partner ihre digitale Resilienz stärken können – mit der Forschungstiefe Deutschlands und der Skalierbarkeit sowie dem Talentpool Indiens.
Die Teilnehmenden hoben Open Source als gemeinsame Grundlage zur Verringerung von Abhängigkeiten hervor, ebenso wie Ansätze für souveräne Cloud-Infrastrukturen. Darüber hinaus wurde die Bedeutung angewandter Forschungskooperation sowie der Entwicklung von Fachkräften durch Stipendienprogramme und akademische Partnerschaften betont, um eine durchgängige digitale Souveränität zu ermöglichen.
In ihren Schlussworten betonten Staatssekretärin Dr. Luise Hölscher (BMDS) und Staatssekretär Shri S. Krishnan (MeitY) die zunehmende Dringlichkeit, gemeinsame Zielsetzungen in konkrete Ergebnisse zu überführen. Der Arbeitsplan 2026–2027 bietet die Möglichkeit zu zeigen, wie vertrauensvolle Partner effektiv bei zentralen und komplexen technologischen Herausforderungen zusammenarbeiten können.
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